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Hilferuf
Am
21. März 2001 ging meine Mutter Helena Bonito L.S. Casanova, damals
47 Jahre alt, ins städtische Hallenbad von Barreiro, wo sie seit ca.
einem Jahr regelmässig Schwimmübungen zur Unterstützung der
Halswirbelsäule machte. Ein Orthopäde hatte ihr dazu geraten. Um
etwa 13 Uhr begann eine neue Übungsstunde, die bis 14 Uhr dauern
sollte. Um 13Uhr 40 wurde jedoch meine Mutter von einem anderen
Schwimmer im Wasser treibend aufgefunden. Sie hatte bereits einen
Herzstillstand erlitten und musste wiederbelebt werden. Sie
reagierte darauf mit Husten, das Herz setzte aber sofort wieder aus.
Man rief sofort die freiwillige Feuerwehr Süd/Südwest an, die
schnell am Ort war. Die Hilfskräfte hatten jedoch enorme
Schwierigkeiten, meine Mutter zum Krankenwagen zu transportieren, da
es keinen Notausgang gab und es auch nicht möglich war, sie durch
die Umkleidekabinen der Männer zu schieben (der Anstand zwischen den
Schliessfächern war zu klein und die Trage passte nicht durch).
Letztendlich gelang es, sie über die Eingangshalle nach draussen zu
bringen (wofür die Schiebetüren ausgeklinkt und Tische, Computer und
andere Möbel weggerückt werden mussten).
Meine Mutter wurde
ins Krankenhaus “Nossa Senhora do Rosário” in Barreiro eingeliefert,
wo die Ärzte sie nach dem 3.
Wiederbelebungsversuch (mit Elektroschocks) um ca. 14h10
reanimierten und sie ins Koma verfiel. Um den Atemreflex
auszuschalten, wurde sie an einen Ventilator angeschlossen und in
die Intensivstation verlegt, wo sie bis Mitte April blieb. Erst nach
einem Luftröhrenschnitt wurde sie in die Station für Innere Medizin
verlegt, wo sie seitdem liegt.
Noch
auf der Intensivstation habe ich bemerkt, dass sie uns hörte und
unsere Stimmen erkannte, da sie mehrmals anfing zu weinen. Anfangs,
als wir sie darum baten, die Augen aufzumachen, hob sie mit aller
Kraft die Augenlider, drehte die Augen in unsere Richtung und auf
dem Monitor konnte ich sehen, dass ihre Herzfrequenz sich erhöhte.
Im Laufe der Zeit lieferte sie uns noch mehr Beweise, dass sie uns
nicht nur hören und unsere Stimmen erkennen, sondern auch unsere
Gespräche verstehen konnte (obwohl die Ärzte uns gesagt hatten, dass
sie nicht in der Lage sei, zu hören oder zu begreifen ). Ich/wir
sprechen mit ihr über alles Mögliche und ich stelle ihr ständig
Fragen in der Hoffnung, eine Antwort zu bekommen. Sie tut es nicht
mit Worten, aber anhand von Zeichen und Gesten, und so schaffen wir
es, ein wenig miteinander zu kommunizieren.
Als
meine Mutter noch Muskelmasse hatte und die Gelenke flexibler waren,
bat ich sie öfter darum, den Finger des rechten oder linken Fusses
oder beide gleichzeitig, oder die Schultern, den Kopf oder die
Finger der Hand zu bewegen. Sie reagierte jedesmal darauf! Momentan
fällt es ihr schwerer, diese Bewegungen mit der gleichen
Schnelligkeit auszuführen, aber sie tut es, wenn auch bedeutend
langsamer. Wenn sie es nicht schafft oder etwas nicht in Ordnung ist
(Schmerzen, Unwohlsein….) sieht man, dass sie traurig wird. Sie
fühlt ihren ganzen Körper, z.B wenn man sie kitzelt, wenn sie Kälte,
Hitze oder Schmerzen verspürt. Sie erschreckt bei plötzlichen lauten
Geräuschen, lächelt oft, wenn wir sie streicheln oder küssen, seufzt
(atmet tief) oder weint, wenn sie die Stimmen von Verwandten oder
Freunden hört. Und darüber hinaus schafft sie es, ihren grossen
inneren Kampf nach aussen hin zu zeigen, indem sie versucht, sich zu
bewegen: sie spannt den Körper an, atmet tief, beugt die Arme,
machmal bis zur Brust, und bewegt den Kopf von einer Seite zur
anderen.
Es
ist nicht leicht. Jeden Tag kämpfen wir aufs Neue, immer mit
Hoffnung und Glauben an den nächsten Tag. Jedes Lächeln von ihr oder
jedes Anzeichen von Lebenswillen macht uns noch stolzer auf die Frau
die sie war, die sie ist und die sie immer sein wird. Wir haben bis
jetzt niemals professionelle psychologische Unterstützung erhalten.
Das Krankenhaus hat uns diese auch niemals angeboten.
Trotz
aller Schwierigkeiten und der “weniger guten” Tage hält die ganze
Familie zusammen und vermittelt ihr Frieden, Liebe und Kraft.
“Die
Hoffnung stirbt zuletzt”.
Meine
Mutter “schreit wortlos” nach unserer Hilfe.
Sie
ist eine Kämpferin, furchtlos und ernergievoll, sie ist ihr Leben
immer mit viel Kraft und Liebe angegangen, sie hat niemals ihre
Ziele aufgegeben und wir werden sie niemals aufgeben.
Ich
möchte auf diesem Wege an alle Mediziner und Gesundheitstechniker
appelieren, die auf diesem Gebiet spezialisiert sind (in Portugal
oder weltweit) und an alle, die uns in irgendeiner Weise helfen
können, die Lebensqualität meiner Mutter zu verbessern.
Es
ist verzweifelnd zu sehen, wie unser Leben von einem Moment auf den
anderen entgleist, ohne ein Licht, ohne eine Hand oder ein
freundliches Wort, dass uns tröstet und uns sagt, dass es eine
Lösung gibt.
Bitte
helfen Sie uns. Leiten Sie diese Nachricht an möglichst viele
Menschen weiter.
Mara Casanova
e-mail: mara.casanova@publinetportugal.com
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